Wir haben die Digitalisierung über Jahre verschlafen und nun wollen wir sie binnen weniger Wochen nachholen? – Da bedarf es etwas mehr als blinden Aktionismus, ein paar Laptops und der Einsicht, dass Home-Office „gar nicht so schlecht ist“.

– aus einem Gespräch mit Ruben Killisch (Skillisch Marketing)

Kürzen wir es ab: Wenn Sie die letzten sowie die kommenden Wochen eines verstehen sollten, dann dass JETZT die Zeit ist, konservative Geschäftsprozesse (zumindest) zu überdenken und partiell neue Wege zu finden, um Ihr Unternehmen am Laufen zu halten. Allerdings nicht unvorbereitet und besonders nicht unbedacht.

Folgend lesen Sie von aktuellen Denkfehlern (anderer), was Sie daraus lernen können und wie Sie diese im Idealfall für sich nutzen.

Denkfehler 1: Du kannst alles digitalisieren.

Wer bei Facebook und Co. surft, bekommt irgendwann Anzeigen präsentiert, in denen junge Menschen in Kameras sprechen und erklären, Offline-Geschäftsmodelle würden demnächst aussterben. Gegenfrage: Wie soll man z. B. Handwerk online stellen? Oder kosmetische Behandlungen digitalisieren? Bitte lassen Sie sich nicht einreden, bisher etwas falsch gemacht zu haben.

Einige Online-Marketer sehen aktuell ihre „große Zeit“ gekommen, um möglichst vielen Unternehmen generalisierte Online-Strategien zu verkaufen. Allerdings ist das a) mitunter unnötig und b) teilweise gar nicht möglich. Stattdessen sollten Sie sich fragen:

Welchen Teil meiner Arbeit kann ich nützlich digitalisieren?

Hierzu zählen Teile des Marketings, des Vertriebs, der Kundenbetreuung und einige Beratungsdienstleistungen. Auch Terminvereinbarungen und eine Vielzahl von Vorgesprächen kann über Tools wie Videophonie-Software oder automatisierte Terminkalender gelöst werden. Das heißt aber nicht, dass gänzlich alles ins Internet verlagert werden sollte.

Im Gespräch mit Außendienstmitarbeitern verschiedener Unternehmen bemerken wir immer wieder: Menschen mögen Menschen. Viele Kunden genießen den Kontakt zu anderen und den Aspekt, einen direkten Ansprechpartner zu haben, der sich um sie kümmert und ihnen hilft. Daraus ergibt sich im Übrigen eine wichtige Frage:

Machen meine Kunden mein Produkt/meine Dienstleistung von persönlichem Kontakt abhängig?

Sobald Sie diese Frage mit „Ja!“ beantworten, sollte bereits geklärt sein, dass eine Komplettdigitalisierung Ihres Geschäftsmodells ausgeschlossen ist. Das entbindet allerdings nicht von der Ergänzung durch digitale bzw. auch Online-Lösungen.

Denkfehler 2: Jeder muss Social Media-Marketing betreiben.

Zunächst klären wir, worum es bei Social Media (oder „den Sozialen Medien“) eigentlich geht. Hierbei handelt es sich um Software, die über das Internet genutzt werden kann. Sie verbindet Menschen miteinander und ermöglicht deren Austausch untereinander. Das „Wie“ ist vorerst irrelevant. Wichtiger sind die Social Media-Angebote. Hierunter fallen z. B. Facebook, Instagram und Xing.

Bevor Sie in Social Media-Marketing /-Werbung investieren, stellen Sie sich bitte folgende Fragen:

  1. Ist Ihre Zielgruppe auf einer Social Media-Plattform vertreten? (Sofern ja, auf welcher?)
  2. Möchten Sie (sofern möglich) Ihr Kundenportfolio um neue Zielgruppen erweitern?
  3. Wurde bereits getestet, ob Ihr Geschäftsmodell über Soziale Medien vermarktet werden kann? Mit welchen Ergebnissen?

Sofern Sie nur eine dieser Frage bejahen, könnte eine entsprechende Marketing-Strategie für Sie interessant sein. Sobald Sie meinen, nichts davon treffe auf Sie zu, darf ruhigen Gewissens (vorerst) von einer Priorität in diesem Bereich abgesehen werden.

(Falls Sie vorhaben, einen Teil Ihres Werbe-Budgets im Rahmen einer Social Media-Marketings zu testen oder möchten bereits über denkbare Strategien sprechen, melden Sie sich gern bei uns!)

Denkfehler 3: Die Menschen sind daheim und haben Zeit für Online-Geschäfte.

Während Kontakteinschränkungen und Quarantäne dazu führen, dass Menschen nicht arbeiten gehen oder im Home-Office ihren Alltag zu bestreiten versuchen, kommen (scheinbar) findige Menschen auf den Gedanken: „Och, dann haben die ja Zeit, im Netz zu surfen und online Zeug zu bestellen.“

Das ist nur partiell korrekt. Kurzarbeit, Jobverlust und Home-Schooling der eigenen Kinder führen zu Zeit- und Geldknappheit. Es wird nicht sinnbefreit geshoppt. Stattdessen nutzen Menschen zuhause ihre freie Zeit, um sich liegengebliebenen Tätigkeiten zu widmen oder schlicht zu relaxen.

Was entnehmen wir diesem Aspekt? ⎼ Es ist nicht die Zeit, auf Neukunden zu hoffen. Derzeit geht es darum, im Kopf der Menschen zu bleiben. Das wiederum klappt über Online-Werbung herausragend. (Lesen Sie dazu auch den Artikel „Weshalb Sie JETZT werben sollten“.) Zusammenfassend heißt es:

Werben Sie jetzt und planen Sie Verkäufe für später.

Denkfehler 4: Die Krise ist (für alle) eine Chance.

Mein Vater hat mir vor ca. 20 Jahren einen Tipp gegeben: „Allgemeine Aussagen, die Wörter wie ‚alle‘, ‚immer‘ und ‚nie‘ beinhalten, sind immer falsch, stimmen nie und treffen auch nicht auf alle zu.“ ⎼ Leider habe ich sehr lang gebraucht, um den Satz zu verstehen, doch inzwischen ist er eine nützliche Regel.

Innerhalb einer Krisenzeit entstehen sicherlich Chancen und Möglichkeiten, doch nicht jeder kann diese sehen sowie ergreifen. Es ist eine Frage des Willens und einiger äußerer Umstände, die die Aussage, „Krisen sind Chancen“ wahr oder falsch werden lassen. Im Rahmen des Online-Marketings sehe ich die Corona-Krise durchaus als Option, bisherige Entscheidungen zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren.

Ein persönliches Beispiel: Ich agiere verstärkt in den Sozialen Medien, um mit Kontaktgruppen in Verbindung zu treten. Das ließ ich vorher links liegen, mit dem Ergebnis, dass ich nun stärker um Aufmerksamkeit und Werbemöglichkeiten buhlen muss. Das zu erkennen, ist ein großer Lernfortschritt für mich, aus dem ich etwas ableiten möchte:

Stelle dir die regelmäßig die Frage, was du JETZT lernen und umsetzen kannst!

Schönrederei lässt eine Krise nicht weniger misslich werden. Allerdings ermöglicht ein gewisser Optimismus, selbst dann neue Ideen zu entwickeln, wenn scheinbar gar nichts mehr geht.

Was Sie aus den Denkfehlern nehmen können

Die aufgezeigten Irrwege führen zu blindem Aktionismus, der nicht wenige Selbständige, Unternehmer und Manager sinnbildlich rotieren und in – möglicher Weise – falsche Richtungen agieren lässt. Das könnte für Sie einen Vorteil bedeuten, wenn es sich um Ihre Mitbewerber handelt.

Fassen wir zusammen:

  1. Digitalisieren Sie die RICHTIGEN Teile Ihrer Arbeit.
  2. Investieren Sie nur dann in Social Media-Marketing, wenn das damit verbundene Ziel eindeutig geklärt ist.
  3. Werben Sie jetzt mit Bedacht, um im Kopf der Menschen zu bleiben.
  4. Stellen Sie sich die Frage, was Sie aus der aktuellen Situation lernen können und überlegen Sie, wie Sie damit umgehen!

Für Fragen, Antworten und Lösungsansätze stehen wir Ihnen sehr gern zur Seite. Profitieren Sie zudem von unseren Netzwerkpartnern.

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